Auszug aus der Chronik der Feuerwehr Grainau
Gründungszeit – 1891
Rund 450 Einwohner zählten die beiden Gemeinden Ober- und Untergrainau, als am 8. November 1891 die „Freiwillige Feuerwehr Ober- und Untergrainau“ gegründet wurde. 53 Männer und Burschen von 18 bis 48 Jahren traten am selben Tag in diesen ersten Grainauer Verein ein: aus Obergrainau 30, aus Untergrainau 13 und aus Hammersbach 10. Ausgenommen waren die Eibseer und die Schmölzer, da beide Ortschaften außerhalb des damaligen Alarmierungsbereichs lagen.
Wie aus der ersten Stammliste zu erkennen ist , bestand die neue Vorstandschaft aus dem Vorstand Robert Grasseger, dem Kommandanten
Anton Diepold (Wurzer), einem Kassier, einem Zeugwart sowie zwei Zug- und zwei Rottenführern (einer für Ober- und einer für Untergrainau).
Die Wehr gliederte sich in 3 Abteilungen:
- Die „Steiger“- Abteilung mit 7 Mitgliedern besorgte das Aufstellen und Besteigen der Leitern.
- Die „Spritzen“- Abteilung mit 25 Mitgliedern war für die Spritzenbedienung und die Löscharbeiten zuständig.
- Die „Ordnungs“- Abteilung erledigte alle übrigen Arbeiten.
Außerdem gehörten noch ein Sanitäter und zwei „Signalisten“ zur Wehr
Die Alarmierung erfolgte anfangs durch das Läuten der Kirchenglocken. Außerdem lief in jeder Gemeinde der Hornist durch das Dorf und blies das Feuersignal. Einige Feuerwehrmänner besaßen bereits ein Fahrrad und eilten dann „per Veloziped“ an den Brandort. Erstes Spritzengerät der neuen Wehr war eine Handspritzpumpe aus dem Jahre 1851, die bis 1925 in Obergrainau im Einsatz stand.
Bis zur Jahrhundertwende stieg die Zahl der Mitglieder auf über 100 an.
FFW Untergrainau
Im Jahre 1903 entschlossen sich die 40 Untergrainauer aus der gemeinsamen Wehr auszutreten und den eigenständigen Verein „Freiw. Feuerwehr Untergrainau“ zu gründen.
1936 erbaute die Gemeinde Untergrainau ein neues Feuerwehrhaus, welches bis zum 12. September 2000 genutzt wurde.
Damit hatte man auch den notwendigen Platz für die Beschaffung des damals hochmodernen LF 15 (1500 l/min Pumpenleistung) geschaffen, welches 1937 in Dienst gestellt und bis 1952 verwendet wurde.
Ursprünglich verfügte das LF 15 über kein Dach. Da die Grainauer aber nach Bombenangriffen auch zu Löscharbeiten nach Innsbruck und München gerufen wurden, überdachte man die Mannschaftssitzplätze nachträglich.
FFW Obergrainau
Nach der Trennung 1903 verblieben bei der Obergrainauer Wehr ca. 60 Kameraden. Um im Alarmfall schneller einsatzbereit zu sein wurde 1913 beim Weiblinger Anwesen unter der Rufnummer 199 eine Feuermeldestelle eingerichtet.
Ausgenommen vom Feuerwehrdienst waren 1928 die Beschäftigten der Kreuzeck- und der Zugspitzbahn. Vermutlich aus dem einfachen Grund heraus, dass sie im Falle einer Alarmierung nicht erreichbar gewesen wären.
Das erste Feuerwehrhäusl stand am oberen Dorfplatz. Im Jahr 1925 wurde in der Zugspitzstraße dann ein neues Haus errichtet. Im gleichen Jahr erhielt die Obergrainauer Wehr die erste Motorspritze mit Anhängewagen der Fa. Erhardt & Sehmer in Saarbrücken mit einer Förderleistung von 1000 l /min.
Im Jahr 1930 entstand als Nebenstation das Feuerwehrhäusl in Hammersbach.
FFW Grainau
Nach der 1937 erfolgten Zusammenlegung der beiden Gemeinden wurden auch die beiden Wehren wieder vereint. Die Kommandantenstelle übernahm Benedikt Ostler.
Mit dem Zweiten Weltkrieg begann dann aber sogleich ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Grainauer Feuerwehr. Fast alle Männer mussten ins Feld ziehen, viele von Ihnen sollten nie mehr zurückkehren. Alte Kameraden übernahmen in der Zwischenzeit den Feuerwehrdienst, denen Jugendliche ab Jahren aus der sog. HJ-Feuerwehr zugeteilt wurden.
Nach dem Krieg ließen die Amerikaner schon bald die Wiedergründung der Feuerwehren zu. Ältere Feuerwehrmänner und heimgekehrte Soldat meldeten sich auch in Grainau. Die neue Grainauer Wehr hatte ein sehr gutes Verhältnis zu den amerikanischen Feuerwehrleuten in Garmisch.
War die Ausrüstung auch anfangs schlecht, so wurden die Grainauer doch oft wegen ihres Leistungsstarken Löschfahrzeug von Nachbarn zu Hilfe gerufen. Bei vielen großen Bränden wie Neu-Werdenfels, Roter Hahn, Schloß Elmau, Frühlingsstraße, Trioler Zugspitzbahn, Casa-Carico oder Schlatan konnte die Grainauer Wehr wirkungsvolle Nachbarschaftshilfe leisten und ihr Können unter Beweis stellen.
Durch großzügige Spenden aus der Bevölkerung und von Mitgliedern wurde es 1967 möglich zum 75-jährigen Gründungsfest eine Vereinsfahne in Auftrag zu geben. Die Einweihung fand am 16. Juli im Rahmen der Grainauer Festwoche statt.